Saisonstart in Abu Dhabi

Nach einer gut verlaufenen letzten Saison 2015 hatte ich eine optimale Ausgangslage für die Olympischen Spiele in Rio, aus diesem Grund wollte ich zuerst gar nicht in Abu Dhabi starten. Der Vorschlag von Steffen Grosse, das Rennen aus dem Training heraus zu machen, war aber so gut, dass ich mich mit meinem Trainer Louis Heyer dazu entschied, aus diesem ersten WTS meinen persönlichen Formtest für die kommende Saison zu machen. Ich habe im Winter sehr gut trainiert und bin durch die 100% Konzentration aufs Wesentliche viel weiter als vor einem Jahr. Es ist mir aber auch bewusst gewesen, dass auf jeden Fall – wie das Rennen auch laufen würde – noch harte Arbeit bis Rio vor mir stehen würde.

Mein Ziel war es, ein Top 20 zu machen, um so auf jeden Fall genug Punkte bis zur endgültigen Qualifikation zu haben. Es war keine Pflicht, sondern eine weitere Option, die es mir ermöglichen würde, mich auf das Allerwichtigste zu konzentrieren: Rio! Ich reiste also mit einemguten Bauchgefühl nach Abu Dhabi und freute mich, Freunde und Konkurrenten aus allen Ländern wieder einmal zu treffen. Abu Dhabi ist eigentlich eine tolle Stadt, aber eben eine Scheinwelt, die für uns Schweizer schon gewöhnungs-bedürftig ist! Die Menschen sind sehr freundlich, und auf den Strassen gibt es mit den unglaublichen Hochhäusern, den Palmen und den Männern in ihren Thawb und den Frauen mit den Kaftan und Niqab viel Spannendes zu sehen – 1001 Nacht Downtown.

Ich ging die Tage vor dem Rennen sehr entspannt an, kochte täglich mein Mittag- und Abendessen und freute mich richtig auf das erste Rennen in diesem Jahr. Doch diese Freude schwand dann im Verlaufe des Rennens doch sehr schnell.

Ich erwischte einen tollen Start im Schwimmen und konnte ohne grosse Müh und Not mit den Top 10 aus dem Wasser kommen. Auch die 40km auf dem Rad verliefen sehr kontrolliert, wir konnten auf dem Rad das Tempo hochhalten, und so mussten viele schon auf dem Velo „volle Pulle“ geben. Es war mir schon bald klar, dass es wird keinen schnellen Lauf geben würde – nicht bei dieser brutalen Hitze. Beim Wechsel aufs Laufen verschwand dann auch das Lächeln auf meinem Gesicht. Ich hatte müde Beine vom der Parforce-Leistung beim Radfahren, und die Sonne brannte unerbittlich auf meinen müden Köper. Ich versuchte, die 10km einigermassen langsam anzugehen, bei jeder „Aide-Station“ Wasser zu trinken und den Körper zu kühlen. Zum Glück gab es pro Runde (à 2.5km) vier Stationen mit kaltem Wasser!

Schon nach einem Kilometer bemerkte ich, dass viele Athleten mit der Hitze und dem Tempo ihre liebe Mühe hatten, während es bei mir mit jeder Minute etwas besser lief. Natürlich musste auch ich leiden, und doch konnte ich mich kontinuierlich nach vorne arbeiten und befand mich bald in den Top 20 – das motiviert ungemein, Schmerzen scheinen in solchen Momenten einfach erträglicher. Auf der letzten Runde wurde es dann noch einmal so richtig hart, da ich meine Beine fast nicht mehr heben konnte. Ich wusste, ich durfte den Speed nicht senken, denn jede Sekunde zählte und so viel Athleten waren direkt hinter mir. Ich hörte Steffen noch rufen: „Vor dir liegt die Top 15!“ In meinem Kopf konnte ich die letzten Reserven in meinem Körper mobilisieren, ich erhöhte auf dem letzten Kilometer den Speed sogar noch und lief einfach an den zwei Athleten vor mir vorbei. Geschafft! Ich schleppte mich in den Top 15 über die Ziellinie und taumelte ins Zelt, um dort wieder Geist und Körper herunterzufahren.

Dies war eines meiner härtesten Rennen, und ich konnte mich bis heute auch noch nie so nah an mein persönliches Limit kämpfen.

Ich war total happy, und den ganzen Tag tauchte immer wieder der gleiche Gedanke in meinem Bewusstsein in den Vordergrund: Zum Glück hab ich mich noch so kurzfristig für dieses Rennen entschieden! Nun kann ich mit Zuversicht meinen Weg Richtung Rio weitergehen, das Training, das Essen und die Vorbereitung passen perfekt!

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