Spitzensport Rekrutenschule

Ende Oktober 2013 rückten in der Kaserne Lyss 24 Rekruten in die Spitzensport-RS 3/13 ein. Mit dabei waren die vier Triathleten Jolanda Annen, Adrien Briffod, Patrick Rhyner und Florin Salvisberg. Das feldgraue Tenü trugen sie mit Fassung, sie schätzten die vorzüglichen Trainingsbedingungen. Hier ein Einblick ins Leben als Soldat und Spitzensportler.

Die Weihnachtsferien sind vorbei. Vor ein paar Tagen haben die 25 Rekruten der Spitzensport-RS 3/13 wieder im Grand-Hotel in Magglingen Einzug gehalten. Von der Noblesse des 1877 eröffneten Luft- und Kurhotels sind nur noch fragmentarische Spuren zu erkennen. Von aussen wirkt das 1877 als Luft- und Kurhotel eröffnete Gebäude immer noch wie vor 140 Jahren. Imposant steht es hoch über dem Bielersees. Im Innern ist die Ausstattung von bescheidener Qualität, aber zweckmässig. Seit 1944 wird die Liegenschaft vom Bundesamt für Sport (BASPO) genutzt. Auf zwei Unterkunftsgeschossen hat es immer noch Zimmer. Unter dem Dach sind die Rekruten untergebracht.

Antrittsverlesen im Morgengrauen

Um 7.42 Uhr nehmen sie in den Trainingsanzügen in Viererreihen Aufstellung auf dem Platz vor dem Hotel. Unter ihnen sind neben den vier Triathleten auch Marco Bürki, der Fussballer vom BSC Young Boys Bern, der Pferdesportler Martin Fuchs, Fabio Leimer als frisch gebackener GP 2 Motorsport Champion und der Kunstturner Beat Nützi.

Es dämmert. Im Tal hat es noch Nebel. Über diesen hinweg sieht man schon die Alpen. Drei Minuten später lässt Rekrutin Jolanda Annen ihre Kameraden stramm stehen und meldet die Spitzensport-RS 3/13 zur Arbeit bereit. Bestand 25, anwesend 19, sechs sind abwesend. Die Schwimmer sind in einem Trainingslager in Tenero. Die militärischen Vorgesetzten sind Stabs-Adjudant Urs Walther und Hauptfeldweibel Meico Oehninger.

Das Tagesprogramm wird bekannt gegeben. Ab neun Uhr ist individuelles Training. Um 12 Uhr ist Abfahrt in den Schiessstand nach Aarberg. Nach der Rückkehr steht erneut eine Trainingssequenz auf dem Programm. Anschliessend ist Abendessen, Regeneration (Erholen, Sauna, Massage). Um 22 Uhr ist Nachtruhe. Offiziell. Laut Walther ist es vorher ruhig in den Zimmern. Das Programm ist anspruchsvoll. Es ist kurz vor acht Uhr. Die Leute schwärmen aus.

«Gut eingelebt?», will ich von den vier Triathleten wissen. Hier oben ist es wirklich grandios, sind sie sich einig. Florin Salvisberg erklärt: «Es ist wirklich ein Privileg, hier sein und unter diesen Top-Bedingungen professionell trainieren zu können». Und Jolanda Annen fügt an: «Dafür hat sich gelohnt, sich freiwillig in die Militäruniform zu stürzen». «Das Einrücken in Lyss war schon eine Zäsur, und die erste Zeit gewöhnungsbedürftig», hält Patrick Rhyner Rückschau. Seit sie nun in Magglingen sind, rückt das Feldgraue je länger je mehr in den Hintergrund. Und schon bald sitzen sie im Flugzeug nach Lanzarote ins Trainingslager.

Der Weg zum Sportsoldaten

Die 18 Wochen einer Spitzensport-Rekrutenschule laufen in zwei Phasen ab. Die ersten fünf Wochen dienen der allgemeinen Grundausbildung in der Kaserne Lyss. Vormittags steht das volle militärische Ausbildung an: Drill, Schiessen, Schuhe putzen. Doch bereits während dieser Zeit steht am Nachmittag mit einem Training – in der Regel in Magglingen – der Sport im Mittelpunkt. Der Rest der RS läuft dann unter dem Titel Funktionsgrundausbildung. Dazu dislozieren die Rekruten definitiv nach Magglingen. Neben den täglichen Trainings besuchen die Rekruten Workshops zu karriererelevanten Themen. Dazu gehören Infos über die medizinische Versorgung im Swiss Olympic Medical Center, zum Umgang mit den (sozialen) Medien, oder ein Massagekurs. Zur Qualitätssicherung wird das Führen eines Trainingstagebuches verlangt. Weiter werden sie generellen und sportartspezifischen Leistungstests unterzogen. Während den Wochen sechs bis acht werden die Rekruten täglich während zwei Stunden zu Militärsportleitern ausgebildet.

Die drei Spitzensport-Rekrutenschulen im Frühling, Sommer und Herbst können von maximal 80 Athleten besucht werden. Im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Dass es alles andere als selbstverständlich ist, aufgenommen zu werden, erlebte auch Patrick Rhyner. Geduld war gefragt. Vor rund drei Jahren hatte er in Magglingen mit den Verantwortlichen die ersten Gespräche. Manchmal kann es, wie bei Jolanda Annen, auch schneller gehen. Von der ersten Idee, sich auf diese Herausforderung einzulassen, bis zum Antritt in Lyss, dauerte es kein halbes Jahr. Ähnlich erging es auch dem 19jährigen Adrien Briffod.

Die Verbände stellen die Trainer

Verantwortlich für die Betreuung der Athleten und die Trainings während der gesamten Spitzensport-RS sind die Verbände. Bei Swiss Triathlon ist dies der Mandatstrainer Pierre Pompili. Mit einem auf einer kleinen Tafel notierten Trainingsprogramm erwartet er Annen, Briffod, Rhyner und Salvisberg im Hallenbad. In Intervallen sollen sie das 25-Meter-Becken 168 Mal queren. Das macht 4.2 Kilometer. Keine übermässig lange Distanz. Nach der Weihnachtspause geht es darum, langsam wieder in die Gänge zu kommen. Neben den gemeinsamen Trainingssequenzen plant Pompili mit den Athleten noch individuelle Trainingseinheiten. Seine Faustregel: «Jeder soll täglich an zwei Disziplinen arbeiten.» Rhyner wird heute noch zweimal laufen. Briffod und Salvisberg werden nach dem Schiessen mit dem Rad von Aarberg nach Magglingen fahren mit einer Tour um den Bielersee. Annen wird sich am späteren Nachmittag noch auf den Hometrainer schwingen. Es ist 12 Uhr. Die Farräder von Briffod und Salvisberg sind verladen. Anstatt in farbigen Trainern stecken die Rekruten in den Kampfanzügen. Mit dem Wechsel der Tenüs werden auch Verhaltensänderungen spürbar. Aus Spitzensportlern werden Soldaten. Einer profiliert sich als «Kompanie-Kalb», das für «Action» und Lacher sorgt. Oehninger befiehlt, in die beiden Busse einzusteigen. Ziel: Kaserne Lyss. Dort sind die Gewehre eingeschlossen. Nach kurzer Fahrt stehen die Rekruten in Reih und Glied vor der Kaserne. «Weiss noch jeder seine Gewehrnummer?», erkundigt sich der Hauptfeldweibel. Jawoll! Im Gleichschritt verschwinden die Rekruten in einem Gebäude und stehen nach wenigen Minuten mit den Gewehren wieder im Glied. «Einsteigen und abfahren», kommandiert Oehninger.

Feuer frei

Vor dem Schützenhaus in Aarberg herrscht emsiges Treiben. Alle RS-Kompanien sind da. Jeder Rekrut probt heute das Wettschiessen, welches für den kommenden Tag eingeplant ist. Mindestens 72 Punkte braucht es, um das Schiessabzeichen zu erhalten. Es wird konzentriert gearbeitet. Mit Waffen lässt sich nicht spassen. Vor dem Betreten des Schützenhauses werden die Waffen kontrolliert. Jeder fasst die nötige Munition und spitzt sie in die Magazine ab. Auf Kommando ist innerhalb einer bestimmten Zeit eine gewisse Anzahl Schüsse abzugeben. Dann geht es wieder raus. Erneute werden die Gewehre und Magazine kontrolliert. Jeder schaut zudem bei sich selbst nach, dass nirgends eine Patrone steckt. Oehninger macht auf den Munitionsbefehl aufmerksam und ruft in Erinnerung, dass Widerhandlungen sanktioniert werden. Kurz nach 15 Uhr geht es zurück nach Magglingen. Das Gewehr sicher deponieren, raus aus dem Kampfanzug, rein ins Sporttenü.

Für die kommenden Wochen stehen Aufenthalte im Leistungszentrum in Wallisellen bevor. Anschliessend das Trainingslager des Verbandes mit den anderen Kaderangehörigen auf Lanzarote. Danach wird es nicht mehr lange gehen, und der zivile Alltag kommt zurück. Was für die vier Athleten eine erneute Zäsur bedeutet. Alle werden bis zum Ende der RS gut gearbeitet haben. Sie mussten sich weniger um alltägliche Belange kümmern. Und natürlich wollen alle den während der RS erarbeiteten Formstand halten, auf dieser guten Basis weiter Fortschritte machen. Als Ziel locken die Europameisterschaften 2015 im eigenen Land und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio.

Bericht von Hanspeter Flückiger

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