WTS Cape Town

Das lange Warten auf das nächste Rennen hatte endlich ein Ende. Ich landete am Donnerstagmorgen mit einem etwas zerknitterten Gesicht im sonnigen Cape Town. Mit dabei waren Sven Riederer und unserer Coach und Nationaltrainer Steffen Grosse.

Wir hatten mit Swiss eine ruhige, aber auch recht lustige Reise: Wenn wir zu dritt im Flugzeug sitzen, gibt es viel zu lachen, und jeder hat ein paar haarsträubende Storys auf Lager.

Ich war zum ersten Mal in Cape Town und staunte über die wunderschöne Landschaft mit den typischen afrikanischen Bäumen, die ich aus Filmen kenne! Die Slums am Rande der Autobahn machten mich hingegen nachdenklich – für uns unvorstellbare Wohnverhältnisse. Wir checkten an der Waterfront in ein sehr schönes und grossräumiges Apartment ein, das von einem hohen Zaun umgeben war, und überall waren Sicherheitsleuten unterwegs. Die Gegend an sich wirkte nicht gefährlich, doch wenn man diese hohen elektrischen Zäune vor sich sah, dachte man schon, dass man in Quarantäne stecke.

Die Vorbereitung auf das Rennen am Sonntag war optimal. Ich konnte selber kochen, hatte ein grosses Wohnzimmer und sogar einen Balkon. So fühlt man sich wie zu Hause in Wallisellen und denkt gar nicht ans Rennen.

Und doch stand ich sonntags um drei Uhr auf dem Pontoon und war bereit, ein weiteres Mal für die Schweiz in der Arena des Triathlons zu starten. Die Wassertemperatur war unter 12° Grad, und so wurde nur eine Runde geschwommen. Ich fand das etwas übertrieben, schliesslich sind wir ja Triathleten und keine Hobbysportler, also hätten wir auch gleich zwei Runden schwimmen können. Wenn du einmal im kalten Wasser bist, dann machen acht Minuten länger auch keinen grossen Unterschied mehr.

Apropos Arena, besonders beim Umrunden der Bojen fühlt man sich schon wie ein Gladiator in der Arena, die Positionskämpfe beim Schwimmen sind hart! Ich prügelte mich also gleich an der ersten Boje an mehreren Athleten vorbei, von links und rechts versuchen sie dich zu packen, doch da macht man einfach die Hand zur Faust und kurbelt noch schneller, ohne gross auf die Technik zu achten – so kann man die meisten abwehren und wird nicht nach unten oder hinten gedrückt. Nach der Umrundung der Boje realisierte ich, wie unter meinem linken Arm ein Athlet einfach im Wasser verschwindet. Sein Kopf hatte sich zwischen meinem Kopf und meinem linken Arm verfangen, und durch den Druck meines Armzuges presste es ihn mit voller Wucht unter Wasser. Ich erhöhte die Schlagfrequenz und hoffte, so schnell wie möglich zukommen, sonst würde sich der noch bei mir rächen wollen! Der Betroffene tat mir schon leid, schliesslich würde er von den hinteren Athleten noch weiter getaucht und wahrscheinlich als letzter mit dem Bauch voller Wasser die Velorunde beginnen. Doch es war entweder er oder ich, und da überlegt man nicht lange.

Ich kam direkt hinter der ersten Gruppe aus dem Wasser und setzte alles daran, so schnell wie möglich in die Spitzengruppe zu kommen. Mir war da schon klar, dass die gesamte Gruppe zusammenkommen würde und wir schliesslich mit 60 Mann aufs Laufen wechseln würden. 800m Schwimmen reichen einfach nicht, um das Feld genug zu zerstreuen und so eine gute Spitzengruppe zu bilden.

Der Zusammenschluss erfolgte in der 2ten Runde. Ich hielt mich regelmässig an der Spitze auf, um so Stürze zu vermeiden. Auf den letzten Velo-Metern wurde es dann etwas heikel, und ich verlor durch einen kleinen Fehler mehrere Plätze und kam erst im hinteren Teil in die Wechselzone. So startete ich die 10km auf Platz 40. Ich behielt einen kühlen Kopf und ging die Laufstrecke in meinem eigenen Tempo an, Ziel Top 24. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele sind ja 2x ein Top24 am WTS und 3 Monate vor den Spielen in den Top 60 zu sein.

Ich lief konstant mein eigenes Tempo und erhöhte den Speed auf der 2ten Runde noch etwas. Ich wechselte auf den Vorfuss und spürte direkt die Tempoerhöhung. Nun lief es mir wirklich gut, keine Krämpfe und ein gutes Gefühl, ich überholte in kurzer Zeit einige Athleten und befand mich schon bald in den Top 20. Nun ging es nur noch darum, diesen Speed zu halten! Ich wusste, dass meine Trainingseinheiten waren noch nicht optimal waren und dass ich gegen Ende der 10km langsamer werden würde. Ich versuchte, solange wie möglich Vorfuss zu laufen, schwankte langsam hin und her aber gab nicht auf. Mit der letzten Kraft kämpfte ich mich ins Ziel und war mit meinem 21sten Rang sehr zufrieden.

Ich habe an diesem Rennen das bestmögliche Resultat erreicht und bin zufrieden.

Es ist noch nicht mein Top-Rennen gewesen, aber dieses will ich mir ja für die European Games in Baku und den Europameisterschaften in Genf sparen.

Auf jeden Fall war Südafrika eine meiner Top-Destinationen!

Wunderschöne Umgebung, extrem freundliche und schöne Menschen, gut organisierter Event und ein gutes Resultat am Rennen, ich freue mich auf die nächsten Herausforderungen…

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